Ich will helfen!

Helfen Sie und unterstützen Sie unsere Arbeit!

Spenden Sie jetzt oder werden Sie Pate.

zurück

Aktuelles

Update: Zur Lage des Tierheims

07.04.2020

Es ist Zeit, Abschied zu nehmen 

Ich rede vor mich hin, Bantu schaut mich nur verwirrt an. Mal wieder kann er nicht unterscheiden, ob mein energisches Gelaber ihn nun zu irgendetwas auffordern soll oder ob ich wohl gerade mit irgendetwas rede, das niemand sieht. Er entscheidet sich dann folgerichtig doch dazu, jetzt erstmal gegen diesen Baum zu pinkeln. Ich bewundere ihn. 

Ich schaue ihn an, lächle ihm zu und fasse mich kurz: „Bantu, ich wollte dir nur sagen: Es ist alles gut.“

Nach vier Wochen harter, rationaler Arbeit beschloss ich, mich an EUCH zu wenden. Wir haben schon oft Spendenaktionen gemacht. Wir haben schon oft um Spenden gebeten und es gab dann entweder den Livebericht zur Genesung des Tieres oder eben eine coole Aktion oder Urkunden oder Patenbriefe. Die Schublade war auch voller Ideen. Ein Retter T-Shirt war schon fertig designed. Wir hatten Firmen, die zum Selbstkostenpreis produzieren würden.
Aber ich traute mich einfach nicht mehr, auch nur einen Cent zu investieren. 

Also saß ich vor circa einer Woche mit Bantu auf dieser Wiese im Tierheim. Spontan schreibe ich mir Stichpunkte auf ein weißes Blatt Papier, schnappe mir mein Handy und will ein Video drehen. Ich merke, dass das alles gekünstelt klingt. Ich probiere, im Detail zu erklären, was wie passiert und was wir nun bräuchten. Ich merke dabei, dass das alles so nicht reichen wird. Dass diese Krise zu groß ist. Ich lege alles zur Seite und sitze da mit Bantu an diesem stillen Platz und denke einfach nur: Ich verliere das hier grade. 

Alles. 

Bantu schubbert sich an mir und freut sich einfach nur, dass wir bei sonnigem Wetter dort auf der Wiese liegen und ich wohl heute mal mehr Zeit habe als sonst. Sein Glücklichsein macht mich immer trauriger, weil alles im Hintergrund gerade zerfällt. In meinem Ohr dieses Piepen und dieser Druck auf den Schläfen - Ich halte das einfach nicht mehr lange aus. Also entscheide ich mich um. Mir ist klar, dass es nun noch ein Mittel gibt. 

Ich glaube zu diesem Zeitpunkt nicht daran, dass dieses Mittel wirklich irgendetwas retten wird. Aber nach zehn Jahren Vertrauen von euch dort draußen kann ich nicht anders. Ich bin natürlich auch ein kleiner Narzisst und will lieber coole Nachrichten in schönem Gewand produzieren. Doch ich finde hier keine guten Nachrichten mehr. Die wunderbaren Menschen, die hier einen einzigartigen Job machen und diese Angst in ihren Augen, dass sie genau diesen bald verlieren könnten. Und von mir? Immer mehr Schweigen und Vereinbarungen über Kurzarbeit. Die vielen Augen unserer Bewohner und ihre Blicke, denen ich immer mit einem Blick der Zuversicht begegnen konnte. Ich fange an, nicht mehr hinzuschauen, um sie meine Angst nicht spüren zu lassen.

Nur der letzte Wille in mir bleibt: Hass wird es von mir nie geben. Dafür durfte ich zehn Jahre lang in einer überwiegend schönen Welt geborgen sein. Ich durfte dank euch dort draußen immer wieder erleben, wie groß der Anteil von guten Menschen ist. Und wie schön es ist, dass es Gutmenschen gibt. Die nicht anklagen, sondern handeln. 

Ich lege die Wut in den Mülleimer, Kreativität in die Schublade, setze den Narzissten in die letzte Reihe und entscheide mich für einen ehrlichen Seelenstrip, ein „Game Over“, ein Anerkennen, dass diese Krise zu groß für Lösungen ist. Ob es irgendwer dort draußen versteht und Empathie hat? Ob ich das gut oder schlecht mache, ob es mich morgen hier noch gibt? Das weiß ich einfach nicht.

Ich werfe das Blatt Papier weg und leihe mir ein zweites Handy vom Tierheim Team. Atme kurz durch, bin sogar aufgeregt und drücke Bantu nochmal ganz fest an mich.

Dann schaltete ich bei Facebook und auf Instagram ein Video live. Ich weiß nicht mehr, was ich gesagt habe, aber gefühlt habe ich mir alles von der Seele geredet. Ich fühlte mich total erleichtert, wie nach einer Therapiestunde wahrscheinlich.

Dieses Video habe ich bis heute nicht gesehen, ich weiß davon auch nichts mehr. Ich weiß nur noch, dass ich kurz dachte: Ach Mist, schalt es ab, das wird zu intim. Dann sah ich, dass bereits über tausend Tierheimfreunde zuschauten und dachte: Scheeeeeeißeee, zu spät! 

Ich bleibe nach dem Video mit Bantu auf der Wiese sitzen. Neben uns ein riesiges Fellknäuel. Der arme Junge, der müsste jetzt fast ein Nackthund sein, so krass habe ich ihn durchgestreichelt. Irgendwo musste die nervöse Energie wohl hin. Ich rauche noch schnell die zuvielste Zigarette und während wir dort sitzen, kommt Dani rausgerannt: 

Dani: „WAS! HAST! DU! GETAN?" 
"Ich wollte grade eine Email schreiben, aber das geht nicht, weil das Postfach explodiert!“

Ich: „Warum? - Was hab ich damit zu tun?“

Dani: „ Das sind alles Mails von PayPal: Sie haben eine Spende erhalten - Sie haben eine Spende erhalten - Sie haben eine Spende erhalten… Da geht gar nichts mehr!“

Benni kommt rausgerannt: „AHHHHHH! Was hast du getan? -Die Telefone drehen durch! Hier: Die sollst du alle zurückrufen und es klingelt weiter durchgehend auf allen Leitungen!“

Liebe Leser, liebe Tierheimfreunde,
was ab diesem Zeitpunkt begann, werde ich nie in meinem ganzen Leben irgendwie ausdrücken können. Ich werde es nicht beschreiben können, ich werde euch da nie zu hundert Prozent dran teilhaben lassen können. 

Ich glaubte bis Freitagnachmittag, nein ich wusste, dass wir Ende Mai die Insolvenz für Ende Juni vorbereiten müssen. Egal, wer uns jetzt wie unter die Arme greifen würde. Denn so ein Tierheim ist einfach zu teuer. Und es ist nicht wirtschaftlich rentabel. So ist das eben mit dem Tierschutz. Und ich will nicht Leiter eines Tierheims sein, das eine reine Verwahranstalt ist. Ich habe das Tierheim auf mehrere Säulen aufgebaut, von den Veranstaltungen über die Pensionen bis zu den Führungen. All diese Säulen konnten immer wieder Verluste ausbügeln. Aber der komplette Wegfall zusammen mit den fehlenden Vermittlungserlösen schreibt Verlustsummen, die zu groß werden, um sie auffangen zu können. Gleichzeitig wird der Tierbestand in die Höhe gehen, da wir nicht vermitteln können und zu dieser Jahreszeit erfahrungsgemäß immer mehr Tiere aufgenommen werden. 

Doch da, wo im Haushaltsplan Ende Mai der Strich war, ist heute alles gut. Ich fasse es mal eben so zusammen: Ihr verrückten, großartigen Menschen habt das Tierheim in nur 1,5 Woche komplett gerettet! 

Ich würde es nicht schreiben, wenn es nicht so wäre! 

Unser Haushaltsplan geht nun bis Ende September auf. Ihr habt den März und den April ausgeglichen! Und auch der Mai und der Juni sind unter den Umständen möglich. Natürlich muss dann schnell die Vermittlung wieder beginnen, aber das sehe ich jetzt erst einmal optimistisch. 

Auch bleibt weiter die Kurzarbeit zur Einsparung bestehen, damit wir, sobald es möglich ist, genug Mitarbeiter mit Erfahrung und Know How haben. So kann der schönste Teil unserer Arbeit getan werden: Unseren Schützlingen ein festes, schönes Zuhause suchen, ihnen ihre zweite Chance geben. 

Eure Futterspenden haben wirklich alles an vorstellbarer Menge übertroffen. Ich schreibe jetzt etwas, von dem mir nie in den Sinn gekommen wäre, dass ich es jemals schreiben würde:

WIR BRAUCHEN KEINE FUTTERSPENDEN MEHR. 

Das meinen wir nicht undankbar, sondern absolut beeindruckt und dankbar. Wir haben soviel Futter bekommen, dass es in vielen Bereichen weit über ein Jahr reicht. Dies entlastet unseren Haushaltsplan immens. Eine Summe von 30.000€ Ausgaben wurde gestrichen. Ihr seid einfach wahnsinnig!  Dies bedeutet auch, dass wir zurzeit sehr viel Arbeit mit der Sortierung und den Bedarfseinteilungen haben. Auch stellt sich langsam ein „kleines“ 😂 Problem in der Lagerung dar.

Einige Futtermittel laufen zeitnah ab. Damit nichts schlecht wird, haben wir uns dazu entschieden, die Futtermittel, die zu viel sind oder in den nächsten Monaten ablaufen, mit vielen anderen Tierschutzvereinen und Tierheimen sowie unseren Freunden der Tiertafel zu teilen. So können wir gemeinsam noch mehr Tieren helfen, diese Krise zu überstehen. Wenn ihr Tierschutzvereine kennt, die gerade einen massiven Mangel haben, dürft ihr ihnen gerne von uns erzählen, damit diese direkt mit uns Kontakt aufnehmen können. Es wäre klasse, wenn wir bei dieser Aktion eure Hilfe erfahren, damit wir nun gezielt auch anderen helfen können, um ein Stück zurückzugeben. 

Denn ich muss mich hier wirklich auch vor der Solidarität der Tierheime und Tierschutzvereine verneigen. 

Ich habe so viele tolle, schöne Telefonate mit anderen Tierschutzvereinen geführt, weil sie uns helfen wollten und geholfen haben. Sei es durch das Teilen unseres Aufrufes oder auch durch Finanzspritzen. Ich werde sie nicht alle aufzählen können, aber ich will euch immerhin ein paar Beispiele nennen. Wisst ihr noch, das AldoVandini Voting? Als wir im Finale mit dem Tierheim Kaiserslautern um die 10.000€ um eure Stimmen gekämpft, gewonnen und ihnen 2.500€ abgegeben haben? Sie riefen mich als Erstes an und boten ihre Hilfe an, obwohl sie natürlich selbst schwer betroffen sind. Dieses Telefonat hat mich sehr bewegt und gezeigt, wie gut es ist, dass wir alle zusammenhalten. Schön, dass aus einem vermeintlichen Kampf eine Freundschaft wurde. Kein Platz für Hass.  Oder der Tierschutzverein Ammerland, der uns sagte, dass sie die Zusammenarbeit über all die Jahre so schätzen und wir gemeinsam soviel erreichen konnten, dass sie sich die Tierschutzarbeit ohne das Tierheim Oldenburg nicht vorstellen wollen und alles tun werden, damit wir gemeinsam diese Krise überleben werden und wir weiterhin jeden Tag gemeinsam für jedes Tier in Not eine Lösung finden. Das war mehr als ein Schulterklopfen. Ich danke euch allen aus tiefstem Herzen und wir werden euch das allen nie vergessen! 

Und dann diese unglaubliche Spendenbereitschaft. Es stand ein Fehlbetrag von knapp 80.000€ im Raum. Dies nur durch drei Monate Wegfall aller Einnahmen. Kein Sommerfest in Sicht, keine kleinen Veranstaltungen, keine Pensionsgäste, keine Führungen, einfach nichts… 

Durch die vielen Futterspenden, durch die vielen lieben Firmen, die uns Beiträge erlassen, durch die Kurzarbeit konnten wir das Minus schon wahnsinnig senken. Aber trotz alledem braucht so ein Tierheim Geld: Wir sind jeden Tag bei Tierärzten, haben hohe Kosten für Laborleistungen, Medikamente, Strom, Wasser und so vieles mehr. Es fehlte einfach immer noch zu viel Geld, als dass ich es irgendwo realistisch sah, das alles in den Griff zu bekommen. Und das wäre mein Abschied gewesen. Doch auch das habt ihr geschafft.

Ich möchte hier ganz klar stellen: Uns hat nicht EINE große Spende gerettet.
Sondern DU! Genau DEINE SPENDE!

85% der Spenden kommen von "Kleinspendern". Es ist die Masse an Tierheimfreunden, die gemeinsam ein Meisterwerk der Solidarität geschaffen hat. Ich kann dies in keine Kamera sprechen, weil ich dann wieder heulen würde… und wie ein heulender Dominic aussieht, wisst ihr ja mittlerweile alle 

Auch viele tierliebe Firmen, die von der Krise nicht betroffen sind, haben gespendet. Und viele wollten gar kein Dankeschön. Immer wenn ich fragte, ob wir das veröffentlichen sollen, wurde gesagt: „Nee, ihr sollt einfach bitte weitermachen können.“ Das ist so unglaublich schön zu hören. 

Natürlich sind soziale Medien so ein Für und Wieder. Und gerade für mich sind diese Hasskommentarspalten einfach unerträglich. Aber wie ihr diese Kanäle genutzt habt, ist absolut verrückt! Viele von euch haben eigene Private Spendenaufrufe für uns gestartet. Und auch die großen Oldenburger Gruppen haben ihre Reichweite sofort genutzt, um uns zu helfen. Ich meine, liebe Gesucht- Gefunden Oldenburg *GGO*…. mal eben 6210 € - das ist komplett wahnsinnig, ich sehe das und weiß gar nicht, was ich schreiben soll. Oder Rettet das Tierheim Oldenburg - Flohmarkt und dann noch Rettet das Tierheim Oldenburg - kids. Von der Maske für 2€ bis zum Auto folieren zugunsten des Tierheims – Ihr hattet so viele Ideen. Was soll ich dazu sagen? Mir fehlen einfach die Worte, für diese Liebe und Unterstützung.

Ich kann da einfach nur auf die Knie fallen. Das meine ich ernst, das bewegt uns alle hier so sehr. Und die Summen sind gigantisch. Das alles zeigt, wie sehr jeder Einzelne dazu beitragen konnte, uns zu retten. 

Ich werde es, wie gesagt, nicht hinbekommen, alle aufzuzählen und mich würdig genug bedanken zu können. Weil ihr so viele seid. Weil es zu groß ist.

Ich kann nur einmal ehrlich sein. 
Ich habe nach dem Video Stunden verbracht, die ganzen Mails zu beantworten. Ich habe bis heute nicht alle geschafft und vielleicht auch noch welche vergessen, sorry, das war einfach zu viel. Auch wurden wir immer wieder gebeten, etwas zu teilen. Wir haben es nicht getan, weil wir A) Angst hatten, dass sich ein anderer dann auf die Füßen getreten fühlt und B) wir haben ja auch noch die Tiere, die weiter versorgt werden müssen. 

Aber als Freitagabend in den Mails stand: 
„Lass den Kopf nicht hängen, wir schaffen das, wieviel braucht ihr denn?“ Da mochte ich gar nicht antworten, weil ich weiß, was ihr Tierheimfreunde alles hinbekommt, aber ich dachte, wenn wir Glück haben holen wir einen Monat mehr raus und hoffen dann auf ein Wunder. Ich muss zu meiner Schande gestehen: 
Ich habe euch komplett unterschätzt!!! Ehrlich. 
Ich hätte nie mit eurer Macht gerechnet. Das macht mich so ehrfürchtig vor jedem, der die Initiative ergriffen hat. Vor den Menschen, die uns direkt gespendet haben, ihren Haushalt zugunsten von uns durchwühlt haben, die andere Menschen animierten dieses Projekt Tierheim zu unterstützen, die ihre Kanäle und Aktionen zu unseren Gunsten nutzten.

Ich weiß, dass viele Tierheimfreunde uns etwas gegeben haben, obwohl es ihnen selber gerade weh tut. Und ich will, dass ihr wisst, dass ich das sehe und mehr als zu schätzen weiß. Ich stehe persönlich zu dieser Verantwortung, dass jeder Cent für das Tierwohl direkt und nachhaltig eingesetzt wird und wir mit eurem Vertrauensvorschuss absolut ehrfürchtig umgehen werden. 

In den unbeschreiblich vielen Paketen, die uns erreicht haben, waren viele Süßigkeiten für die Mannschaft, kleine Briefe und aufmunternde Worte. Schüler und Kinder haben gesammelt und uns zuckersüße Bilder geschickt. Ihr habt wirklich alle alles gegeben. Ihr habt das Tierheim gerettet. Ihr habt uns gerettet. Ihr habt das wirklich geschafft!

Ich schreibe euch hier aus der Ich-Position. Klar ist, dass es hier am wenigsten um mich geht. Nur um die Verantwortung. Die Verantwortung gegenüber unseren Tieren und diesem unglaublich einmaligen Team. Diese Verantwortung habt ihr übernommen. Der Dominic hat nur auf einer Wiese mit Bantu zwei Handys angeschaltet. Das ist erstmal kein Meisterwerk. Aber ich glaube, dass dieses unglaubliche Feedback von euch dort draußen auch den Menschen zu verdanken ist, die uns hier im Moment so fehlen:

Ihr lieben ehrenamtlichen Superhelden. 

Dieses Vertrauen habt ihr mit aufgebaut. Die vielen großen Feste, die ihr erst möglich macht, die vielen Infostände, Kaffee und Kuchen, die Unterstützungen, wenn wir Führungen und Einblicke in unsere Arbeit geben. Diese Transparenz, die ihr mit uns geschaffen habt und natürlich die wahnsinnige Arbeitskraft, die dieses Tierheim aus einem dunklen Loch zu einem schönen grünen Fleck Erde voller Hoffnung hat werden lassen – all das haben wir euch zu verdanken. Und das Vertrauen, dass eine so große Spendenbereitschaft mit sich brachte, das liegt mit an euren Taten. Da glaube ich fest dran. Danke - wir freuen uns so sehr, euch bald alle wieder bei uns zu haben!

Die Überschrift „Es ist Zeit, Abschied zu nehmen“ ist natürlich etwas reißerisch gewählt. Und ich meine sie dennoch sehr ernst. 

Gestern Abend rief Dani mich an, weil wir zwei Eichhörnchenbabies bekommen haben. Ob ich noch Fencheltee hätte. Zack! - habe ich meiner Tochter ein paar Beutel geklaut und Dani hat sie abgeholt. Und da war es soweit: Der Moment, als ich wusste, es ist Zeit sich zu verabschieden. Ich habe diese beiden neuen Sorgenkinder nicht mehr mit Angst oder als neues Problem gespürt, sowie es die letzten fünf Wochen war. Ich konnte Dani wieder anlächeln und den Eichhörnchen zuzwinkern. Ich habe sie als Herausforderung und als Aufgabe gesehen, kein Tier jemals zurück lassen zu müssen. Und das müssen wir nicht, denn wir haben euch. Wie habt ihr geschrieben? Gemeinsam schaffen wir ALLES. 

Und deswegen ist es Zeit, ganz offiziell heute, hier und jetzt Abschied zunehmen. Abschied von der Angst. Mach´s gut Angst, du bist ja immer mal wieder hier, hast mir viele Nächte und Momente treu zur Seite gestanden. Dieses Mal war es wirklich ein bisschen viel, oder was meinst du? Also ich denke, wir beide brauchen jetzt mal eine Pause. Nicht schlimm, wenn es länger dauert. Und wie du gemerkt hast, kannst du mir drohen, aber unsere Freunde sind immer für uns da. Und es sind soviel mehr und sie sind soviel stärker, stärker als ich es je gedacht habe, sogar stärker als die größte Krise nach dem 2. Weltkrieg. Deswegen will ich nun jedem Einzelnen - absolut überwältigt - auf diesem Wege sagen:

DANKE

PS:
Ich weiß, dass diese Krise viele trifft, ich war einer von denen, die spürten wie es ist, vielleicht alles zu verlieren, was man liebt.
Und dass ich zu den wenigen Glücklichen gehöre, die heute so etwas schreiben dürfen. Es gibt keinen anderen Ort, an dem ich leben will, als in diesem Tierheim. Dafür bin ich dankbarer als je zuvor. 

Diese Welt dort draußen ist schwer und verrückt, aber gebt bitte nicht auf. Sie ist nicht verloren. Das weiß ich heute einmal mehr! Ich habe selber mein Kind ins Bett gebracht und es lange angestarrt, weil ich Angst hatte, ihr morgen erzählen zu müssen, dass Papa nicht mehr zur Arbeit ins Tierheim geht. Ich wusste nicht mehr, ob mein mit Tanzbärhänden geschriebener Lebenslauf dafür gemacht ist, ein Kind durch diese Welt zu tragen. Bleibt stark und fragt nach Hilfe, wenn ihr sie wirklich braucht. Lasst uns die Angst besiegen und verabschieden - den Glauben an uns und diese Menschheit nicht verlieren. Bleibt gesund und gut zueinander. Denn das ist alles, was wir haben. Liebe. 

In ewiger Verbundenheit
Dominic, Bantu und das Tierheim Team