Schnurrli ehemals Lord Shen
Der Obermacker hat sich vorgedrängelt. Ich würde aber auch gern in Erscheinung treten. Der mürrische Kerli meint, nur er wäre fotogen. Stimmt aber nicht, schaut her. Die Freundin unserer Frau sagte, ich hätte Augen wie Diamanten, so leuchtend. Hat was, oder?
Also, ich bin auch FIV-positiv. Das hat Kollege Murrli gut erklärt. Muss ich ihm lassen. Wir brauchen deswegen aber keine Medi oder sonst was vom Tierarzt oder von der Tierärztin. Wir haben eine normale Lebenserwartung. Wir dürfen ja nicht nach draussen. Also können wir auf einer bösen Strasse auch nicht überfahren werden. Oder von einem ganz bösen Artgenossen gebissen werden. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Genau wie in eurem Menschenleben auch.
Ich habe es mit Kumpel Murrli sehr gut getroffen bei unserer Frau. Futter vom Feinsten – einen plätschernden Trinkbrunnen – je ein sauberes Kischtli mit Sand im Badezimmer für … ihr wisst schon.
Und es ist auch viel Liebe da. Begrüssung am Morgen: „Guets Mörgeli, meine Schätze!“, sagt sie. Kumpel Murrli bleibt in seinem Korbsessel liegen. Sie darf ihm am Kopp kraulen und in die Backen kneifen. Aber ich bin sofort hellwach und in der Küche. Lachs & Huhn oder Kaninchen & Geflügel? Wir bekommen je einen Teller. Ich warte eine Weile. Aber wenn der Kerle nicht kommt, fange ich schon mal an. Dann ist ein Verdauungsschläfchen fällig. Kennt ihr, oder?
Also, ich bin unternehmungslustig. Inspiziere den Dachboden, teste Sessel und Sofa, springe aufs Fensterbrett. Alles gehört mir! Ich teile es aber gern mit Murrli. Aber der traut sich noch nicht so recht. Der braucht einfach noch Zeit um richtig heimisch zu werden. Ist wie bei den Menschen auch. Die einen schnallen es schneller – sind auf der Überholspur, so wie ich. „Murrli, das wird schon! Wirst auch sehen, dass wir es nicht besser hätten treffen können. Und das ganz ohne Zug fahren und Besuch beim Coiffeur.“
Ein Bericht von Brigitte Greff.