Hallo, ich bin Rudi.
Vor drei Monaten bin ich bei meinen neuen Menschen eingezogen, dort hat Moni auf mich gewartet. Moni hat anfangs noch sehr über ihren verlorenen Freund getrauert und war mir gegenüber durchaus skeptisch, für mich war sie von der ersten Sekunde an aber mein Anker. Sie hat mir gezeigt, dass Menschen vielleicht doch nicht ganz so fürchterlich sind, wie ich anfangs dachte. Und dass es tatsächlich ganz wunderbare Dosenöffner gibt, denen man mit der Zeit ein kleines bisschen Vertrauen schenken kann.
Ich habe etwas gebraucht anzukommen, zumindest bei meinen Menschen. Am Anfang habe ich sogar die Beine meiner Menschen attackiert, weil ich schnelle Handlungen nicht einschätzen konnte. Vertrauen fiel mir wirklich nicht leicht. Aber meine neuen Menschen hatten Geduld mit mir und haben mir die Zeit gegeben, die ich brauchte.
Inzwischen dürfen sie mich sehr gerne am Kopf streicheln. Alles andere mag ich noch nicht so gerne – aber immerhin lasse ich mich mittlerweile sogar kurz hochheben. Für mich ist das ein riesiger Fortschritt!
Auch mit dem krabbelnden Baby meiner Menschen komme ich gut zurecht. Sie passen immer schön auf, dass ich nicht bedrängt werde. Wenn mir das Ganze doch einmal zu viel wird, verziehe ich mich einfach und habe unzählige Rückzugsorte. Genau so soll es sein.
Am liebsten spiele ich in den frühen Morgenstunden – schließlich hat man als Katze auch einen gewissen Zeitplan. Wenn ich Hunger habe, kann ich außerdem ausgesprochen laut werden. Meine Menschen wissen mittlerweile ziemlich genau, was das bedeutet.
Und meine Freundin Moni? Die putze ich mit ganz viel Hingabe. Natürlich gilt bei uns auch: Was sich liebt, das neckt sich! Zwischendurch gibt es schon mal eine kleine spielerische Prügelei, aber danach kuscheln wir wieder gemeinsam im Bett.
Meine Immunisierung beim Tierarzt habe ich auch schon bekommen und bald darf ich sogar nach draußen.
Ich bin unglaublich dankbar, dass ich Menschen gefunden habe, die mich verstehen. Menschen, die mir Zeit geben, mich nicht bedrängen und mich genauso nehmen, wie ich bin.
Vielleicht bin ich noch nicht die typische Schmusekatze. Aber ich habe gelernt, dass Vertrauen wachsen kann – ganz langsam, Pfote für Pfote.
Euer Rudi
Ein Bericht von Jessica Rentschler.